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1.2 Historische Entwicklung, heutiges LandschaftsbildDie Oder stellt hinsichtlich der historischen Entwicklung im Vergleich zu anderen mitteleuropäischen Gewässern keinen Sonderfall dar. Waldrodung, Landwirtschaft, Siedlungsentwicklung gerade an den Flussmündungen (z.B. Szczecin) und wichtigen Flussübergangsstellen (z.B. Wroc³aw), Transport auf dem Wasser (Flößerei, Schifffahrt) und Wasserkraftnutzung (Schiffs-, Hammermühlen etc.) haben auch an der Oder schon im Mittelalter begonnen. Mehrere umfangreiche literarische Werke (Ausschuss, 1896; Galon, 1948; ÈVTVS, 1971; Uhlemann, 1999; Dohle et al. 1999) beschreiben sehr ausführlich die historische Entwicklung. Auf eine vertiefende Darstellung für diesen Atlas wird deshalb verzichtet. Im folgenden werden nur ausgewählte, für ein Fluss-Auen-Ökosystem wichtige Aspekte in geraffter Form dargestellt. Jedwede Besiedlung einer Landschaft in Mitteleuropa begann immer mit massiven Eingriffen in die ursprüngliche Vegetation. Aus heutiger Sicht schwerlich nachvollziehbar, wurden in wenigen Jahrhunderten der Großteil der Wälder gerodet und die freigewordenen Flächen zur Beweidung, später für den Ackerbau genutzt. Historische Zeugnisse von extremen Hochwasserereignissen beginnen mit dem ausgehenden Mittelalter. Diese werden aus heutiger Sicht in einen engen Zusammenhang mit den dadurch bedingten, grundsätzlichen Veränderungen im Naturhaushalt gestellt. Die überwiegende Zahl der größeren Siedlungen entlang der Oder wurde Anfang des 12. bis Anfang des 13. Jahrhunderts erstmals schriftlich erwähnt. Schon im 13. Jahrhundert wurden die ersten Deichstrecken zum Schutz von landwirtschaftlichen Flächen an der Oberen und Mittleren Oder gebaut. Ende des 15. und Mitte des 16. Jahrhunderts in der Umgebung von Wroc³aw und Anfang des 17. Jahrhunderts bei Brzeg kam es zu den ersten Durchstichen von natürlichen Flußmäandern, um die Hochwassergefahr in den Städten zu mildern. Flusswehre werden auch schon früh erwähnt (Uhlemann, 1999). Es gab zwar zahlreiche, den Wasserspiegel um wenige Dezimeter anstauende Wehre, in Abstimmung mit den Interessen der Fischerei und der Schifffahrt mussten diese aber immer wieder geöffnet werden. Schifffahrt auf der Oder ist im Jahr 1211 erstmals schriftlich belegt. Systematische Flussbaumaßnahmen mit Flussbegradigungen sind bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts nicht durchgeführt worden. Im tschechischen Teil des untersuchten Odertals (Quelloder) hat sich der Ausbau bis ins 19. Jahrhundert auf Wehre für die Abzweigung des Wassers zum Betrieb von Mühlen und Sägewerken begrenzt. Lokal wurden Uferbefestigungen mit natürlichen Materialen (vor allem mit Holz) durchgeführt. Erst die stürmische Entwicklung der Bergbauindustrie führte zur Begradigung des Flusses, zum Bau von mehreren Wehren und Deichen, um die städtischen Bereiche und Industriekomplexe der Ostrava-Agglomeration gegen Überschwemmung zu schützen. Im Jahre 1741 kam die gesamte befahrbare Oderstrecke unter preußische Verwaltung, womit die Bedingungen für einen systematischen Flussausbau geschaffen wurden. Unter dem preussischen König Friedrich dem Großen wurde nicht nur das Oderbruch entwässert, sondern auch zahllose Mäander verkürzt, Flussufer befestigt und Buhnen gebaut. Innerhalb von ca. 80 Jahren wurde der Fluß um ca. 160 km verkürzt, bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts um weitere mindestens 30 km, so dass der Oder fast 1/4 der ursprünglichen Lauflänge fehlt. Die Durchstiche und die systematischen Verbindungen von bis dahin unterbrochenen Deichlinien haben einerseits die Bedingungen für den Hochwasserschutz, andererseits auch für die Schifffahrt verschlechtert. Schon der "Ausschuss zur Untersuchung der Wasserverhältnisse in den der Überschwemmungsgefahr besonders ausgesetzten Flussgebieten" hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, "ob die Ursachen der in neuerer Zeit (2. Hälfte des 19. Jh.) vorkommenden Überschwemmungen namentlich im System der Regulierung und Kanalisierung der preussischen Flüsse zu suchen sind" (Ausschuss, 1896). Buhnen auf der schiffbaren Oder wurden schon im 18. Jahrhundert gebaut. Aber erst das Abkommen von 1819 hatte eine gesetzliche Grundlage für die umfassende Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse geschaffen. Mit Buhnen, Uferbefestigungen und Stabilisierung der Sedimentablagerungen (auch Bepflanzung) wurde eine sogenannte Mittelwasserregelung der Oder von Szczecin bis zur Mündung der Nysa Klodzka durchgeführt. Im Jahre 1885 fanden diese Arbeiten einen vorläufigen Abschluss. Etwa 10 000 Buhnen wurden dabei angelegt. Ziel war eine Fahrwassertiefe von 1,0 m bei mittlerem Niedrigwasser (Uhlemann, 1999; eine genaue Definition des Niedrigwassers fehlt, Anm. d. A.). Für die nach oberstrom anschliessende Strecke zwischen der Mündung Nysa K³odzka und KoŸle (km 95) hatte man sich für eine Stauregelung ("Kanalisierung") entschieden. Der stark anwachsende Schiffsverkehr forderte aber weitere Verbesserungen. Von 1883 bis zu Beginn des 1. Weltkriegs wurde eine geschlossene Kette von 21 Staustufen errichtet. Bis 1923 folgten neben umfangreichen Ausbaumaßnahmen im Raum Wroc³aw, die Staustufe Rêdzin und 1958 Brzeg Dolny (km 285) als bislang letzte Staustufe an der Oder. Einige sind mit Turbinen zur elektrischen Stromerzeugung ausgestattet. Mit Ausnahme der letzten Staustufe betragen die Stauhöhen maximal ca. 2 bis 4 m. Die Wasserspiegel im Oberwasser der Staustufe ragen kaum über das Ufer hinaus. Schon bei mittleren Abflüssen bildet sich ein merkliches Fließgefälle im oberen Teil jeder Staustufe aus. Nur die letzte, neueste Staustufe in Brzeg Dolny fällt mit mehr als 6 m Stauhöhe aus diesem Rahmen. Unterhalb der letzten Staustufe in Brzeg Dolny (km 285) kommt es seit Inbetriebnahme zu einer starken Sohlenerosion. Der Wasserspiegel (v.a. bei Mittel- und Niedrigwasser) sank im direkten Unterwasser der Staustufe um 2,5 bis 2,7 m. Die Erosionserscheinungen sind mit abnehmender Größe bereits über eine ca. 50 km lange Strecke wirksam. Dadurch haben die bestehenden Buhnen ihre Regelungsfunktion verloren. Um die Erosion zu stoppen und die Schifffahrtsbedingungen wieder zu verbessern, plant man den Bau von zwei weiteren Staustufen stromabwärts von Brzeg Dolny (siehe Programm ODER 2006, 1999). Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die bestehenden hydrotechnischen Bauten nur wenig gewartet. Einige Wehranlagen wurden umgebaut, wobei die Ausbaugrößen der Schleusen den weiter im Norden und Westen üblichen, größeren Schiffen nicht angepasst wurden. Dadurch sind viele Schleusen in ihrer Nutzbarkeit eingeschränkt (Jankowski, 1997). Die Entwicklung der Schifffahrt an der Oder stellt sich als ständiger Kampf gegen außerordentliche, langanhaltende Niederwasserphasen dar. Sowohl bei Uhlemann (1999) wie auch in den jüngeren Frachtstatistiken aus der abflussarmen Periode Anfang der 90er Jahre wird deutlich, dass die natürlichen Niederwasserphasen eines typischen, von Mittelgebirgsabflüssen beeinflussten Gewässers wie die Oder (z.B. am Pegel Brzeg Dolny im Jahre 1921 Extremniedrigwasser mit 21 m3/s und im Jahre 1930 nur 19 m3/s, bei einem langfristigen Mittelwasserabfluss von ca. 170 m3/s), öfters monatelangen Stillstand der Schifffahrt erzwangen. Diese Zwangslage verschärft sich seit Beginn der neueren Schifffahrtsentwicklung in der Mitte des 19. Jahrhunderts durch sich stetig vergrößernde und zunehmend tiefere Schiffskörper, an der Oder genauso wie an anderen Flüssen Mitteleuropas. Einen besonderen Aufschwung erlebte die Schifffahrt mit der Bildung der preussischen Strombauverwaltung und der in dieser Zeit durchgeführten Mittelwasserregelung in der freifließenden Strecke, ergänzt durch den Staustufenbau von Wroc³aw nach Kozle, womit vor allem der Steinkohlentransport aus der schlesischen Steinkohlebergbauregion erheblich erleichtert wurde.
Die regelmäßigen Niederwasserprobleme haben den Anstoß zu weiteren Ausbaumaßnahmen gegeben, vor allem für die Errichtung zahlreicher großer Speicherbecken an den Nebenflüssen der Oder, um zu Zeiten von Niederwasser den Abfluss in der Oder erhöhen zu können. Noch in den dreißiger Jahren wurden mehrere große Speicherbecken errichtet, u.a. der Speicher Otmuchów/Nysa K³odzka und Turawa/Ma³a Panew, die alle auch zur Rückhaltung von Hochwasser eingesetzt werden. Die Anzahl der Schiffsbewegungen war zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr hoch (über 20.000 Schiffe in Wroc³aw 1902 nach Uhlemann, 1999). Bei Stillstand in Niederwasserphasen waren ganze Flussabschnitte mit ankernden Schiffen belegt (s. Uhlemann, 1999; S. 110, "versommerte Schiffe"). Die transportierte Gütermenge lag knapp über 2 Millionen Tonnen. Damit wird deutlich, daß die durchschnittliche Tragfähigkeit mit wenigen hundert Tonnen weit unter den heutigen Maßstäben lag. 1913 wird als das Jahr mit dem maximalen Güterverkehr auf der Oder angegeben, der Gesamtgüterverkehr lag bei knapp unter 15 Millionen Tonnen (Uhlemann, 1999, S. 112 ff.). Danach ist der Güterverkehr auf der Oder nicht mehr angewachsen, sein Anteil am Gesamtgüteraufkommen des deutschen Wasserstraßenverkehrs lag in den 30er Jahren noch bei 6 und 7%. Schon damals waren die Haupttransportrelationen von Szczecin nach Berlin und von Schlesien über Eisenhüttenstadt nach Berlin. Heute werden auf der Relation Szczecin nach Berlin noch etwas mehr als 2 Millionen Tonnen transportiert, gegenüber ca. 6 Millionen Tonnen in den 30er Jahren. Von Schlesien nach Eisenhüttenstadt waren es in den abflussarmen 90er Jahren nur noch wenige Hunderttausend Tonnen pro Jahr. Die Verbindung von der Oder über die Warta zur Vistula ist seit dem 1.Weltkrieg nahezu bedeutungslos. Der Anteil der Binnenschifffahrt am gesamten Transportaufkommen in Polen beträgt heute knapp 1%. Die meisten Schiffe der Transportunternehmen auf der Oder haben auch heute nur 500 t Tragfähigkeit. Hinsichtlich der landschaftlichen Veränderungen im unmittelbaren Umfeld des für die Schifffahrt maßgebenden Oderflussbetts fällt beim Studium alter Karten und der Fotoabbildungen in Uhlemann (1999) auf, wie wenig Gehölzbewuchs von Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts im Uferbereich zu finden war. Heute kann allerorten eine deutliche Zunahme gerade von Weichholzgesellschaften in unterschiedlichen Entwicklungs-stadien festgestellt werden. Neben dem Ende der jahrzehntelangen, umfangreichen baulichen Tätigkeiten im Flussbett für weitere Verbesserungen der Schifffahrtsverhältnisse (u.a. Abflachung von zu starken Krümmungen, verlängerte Buhnen zur Gewinnung größerer Fahrrinnentiefen), kann auch auf einen Rückgang bis hin zur völligen Aufgabe der Landnutzung auf Teilen der Überflutungsflächen geschlossen werden. Die Landnutzung im Odereinzugsgebiet ist in ganz typischer Weise sehr stark von der Eignung der Böden für eine landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Während im oberen, südlichen Drittel lehmige Böden und sogar Lößböden vorherrschen, sind in den anderen beiden unteren Dritteln Moränenablagerungen und breite Urstromtäler vorherrschend. Da letztere das Ergebnis mehrerer Vergletscherungsphasen mit zwischenliegenden Abschmelzphasen sind, finden sich flächig eher sandige Böden, sowohl in den Hügel- als auch Tallagen. Der natürliche Wasserhaushalt der Standorte und, vor allem in den Urstromtälern, das Ausmaß der Überflutungen bestimmten lange Zeit die Art der Nutzung. Infolge der im oberen Einzugsgebiet starken Reduzierung der Waldflächen für den Ackerbau, kam es zu starken Abtragungserscheinungen. Die Folge ist eine außergewöhnlich dicke Auenlehmdecke in diesem oberen Drittel des Odertals, im Raum Ostrava bis Opole zum Teil von mehr als 3 m. Auch im Bericht des Ausschusses (1896) finden sich mehrfach Hinweise auf die besondere Erosionsempfindlichkeit der Böden in diesen südlichen Gebieten bis hin zu der Äußerung von wasserwirtschaftlichen Bedenken bezüglich der weiteren Ausweitung des Ackerbaus. Diese fruchtbaren Lehmablagerungen in den Überflutungsgebieten des Odertales waren natürlich für die Landwirtschaft besonders begehrt. Die Folgen sind heute flächige Ackerlandschaften im Odertal von Ostrava abwärts bis über Opole hinaus, teilweise auch in regelmäßig überfluteten Gebieten, wo bis heute noch kein Hochwasserdeichsystem errichtet wurde. Der Waldanteil ist hier besonders gering, auch Grünlandnutzung findet nur auf dauerhaft feuchten Standorten statt. Größere Auenwälder sind nur dort verblieben, wo die Hochwasser sehr häufig und sehr dynamisch auftraten (v.a. im Bereich von Neben-flusseinmündungen) und wo z.B. klösterlicher Großgrundbesitz vorherrschte. Letzterer ist auch maßgebend für die in diesem südlichen Oderbereich vorhandenen großen Teichlandschaften, die von Zisterziensern angelegt wurden. Nur teilweise werden diese Teiche heute noch fischereilich bewirtschaftet. In den von der Eiszeit geprägten Teilen der Oderflußlandschaft war die landwirtschaftliche Nutzung bis zur Errichtung eines durchgehenden Deichsystems nicht nur durch die breiten Niederungen, sondern auch durch die längeren Hochwasserphasen sehr stark eingeschränkt. Die Auenlehmablagerungen sind bedeutend geringer als weiter flussaufwärts beschrieben. Mit zunehmender Entfernung vom oberen Oderbereich weisen die Auenböden infolge der ursprünglichen Standortsbedingungen höhere organische und sandige Anteile auf, bis hin zu dunkel gefärbten anmoorigen Böden, vor allem in den Talrandlagen. Noch in den alten Karten der preussischen Verwaltung (die sogenannten Urmeßtischblätter von 1825 bis etwa 1840) finden sich deutlich höhere Waldanteile in den Oderauen, insbesondere feuchtere, als Erlenwald oder Bruchwald bezeichnete Bereiche. Die von 1747 bis 1753 durchgeführte Trockenlegung des Oderbruchs war zwar die flächig größte Einzelmaßnahme, aber weiter stromaufwärts von Frankfurt /Oder bis über G³ogów hinaus summieren sich ähnlich große Flächen, die für den Ackerbau erst durch Deichbau- und Entwässerungsmaßnahmen erschlossen wurden. Die noch verbliebenen Waldanteile konzentrieren sich auf die heutigen Überflutungsflächen zwischen den Deichen, landwirtschaftlich minderwertigen Standorten, ehemals klösterlichem Großgrundbesitz und den verbliebenen feuchten Standorten landseits der Deiche. Auch feuchtes Grünland liegt in den Abschnitten oberhalb der Lausitzer Neißemündung noch in nennenswerten Anteilen vor. Eine Sonderstellung nimmt der unterste Abschnitt im Odertal zwischen Hohensaaten und Szczecin ein. Dort wurden die Auen erst Anfang des 20. Jahrhunderts "melioriert". Die meisten Standorte sind trotz Schutz vor Überflutung und trotz Entwässerung nur als Grünland nutzbar. Insgesamt ist hervorzuheben, daß im polnischen Teil des Odertales die landwirtschaftliche Nutzung in neuerer Zeit, seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, bei weitem nicht in dem Ausmaß wie in Deutschland und der Tschechischen Republik intensiviert wurde. Dafür gibt es zahlreiche Gründe, die auch mit den Veränderungen seit 1945 zusammenhängen. Die Bewirtschaftung der Wälder wurde zwar auch schon unter der preussischen Verwaltung organisiert, ist aber vergleichbar mit der Situation in der Landwirtschaft. Für die fischereiliche Nutzung hatte die Oder einen sehr hohen Stellenwert. Viele Mäander, Seitenarme, Altarme, lang anhaltende und flächige Überflutungen zur Laichzeit vor allem im Unterlauf, ein vielfältiges Spektrum an Nebenflüssen von langsam fließenden Moorbächen bis hin zu dynamischen, geschiebereichen Mittelgebirgsflüssen bot alle denkbaren Lebensräume für eine zahl- und artenreiche Fischfauna. Bis zum Beginn des Bergbaus und der Industrialisierung vor allem an der oberen Oder, dürften sich diese guten fischereilichen Verhältnisse trotz der schon früh einsetzenden Schifffahrt und den dann im 18. Jahrhundert in großem Maßstab durchgeführten Flussbegradigungen nicht wesentlich verschlechtert haben. Die Begradigungen könnten sogar durch den künstlich hohen Anteil an Altarmen temporär positive Effekte bewirkt haben. Die Flussbettfestlegung und Begradigung hat langfristig allerdings ins genaue Gegenteil umgeschlagen. Ein Beleg dafür sind die noch im 18. Jahrhundert geltenden Regelungen zur Steuerung (regelmäßige Öffnung für den freien Durchfluß) von Wehren für Schifffahrt und Fischerei (Uhlemann, 1999). Mit der zunehmenden Gewässerverschmutzung und der Anfang des 20. Jahrhunderts gebauten Staustufenkette an der oberen Oder sind die Fischbestände aber erheblich eingebrochen. Bis heute ist keine Staustufe mit einem funktionstüchtigen Fischpass oder Umleitungsgerinne ausgestattet. Über die Schleusen sind die Staustufen bestenfalls zufällig überwindbar. Vor allem die Langstreckenwanderfische (Salmonidae) hatten ihren Zugang zu den Laichgebieten in den dafür gut geeigneten Nebenflüssen an der oberen Oder verloren. Zum Zeitpunkt der schlimmsten Wasserverschmutzung in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ist nur an der unteren Oder noch kommerzieller Fischfang betrieben worden. In jüngster Zeit hat sich die Situation bereits erheblich verbessert. Angler sind an fast allen Flussstandorten zu finden. B³achuta (mdl. Mitteilung) schätzt die Zahl der entlang der gesamten polnischen Oder ausgegebenen Angelkarten auf ca. 150 000. Kommerzieller Fischfang bleibt aber immer noch auf die untere Oder, vorwiegend unterhalb von Schwedt, auf polnische Betriebe beschränkt (Trzebiatowski, 1999). |