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12. Zusammenfassung

Mit Beginn der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts gewinnt der Oderraum im geographischen Mittelpunkt Europas wieder verstärkte politische Bedeutung. Auch für die Wirtschaft, den Verkehr und nicht zuletzt für den Naturschutz stellt das Odertal in Nord-Süd- wie auch Ost-West-Richtung einen wichtigen Korridor dar. Damit verbunden liegen neue Ausbauprogramme für die Schifffahrt vor, ergänzt durch das Wiederaufleben alter Planungen für einen Verbindungskanal zur Donau. Seit dem extremen Sommerhochwasser 1997 ist aber dem Hochwasserschutz die wohl größte Aufmerksamkeit gewidmet.

Der Naturschutz sieht vor dem Hintergrund dieser Planungen wertvollste Naturschätze an der Oder bedroht. Die Entscheidungsgrundlagen der Ausbaupläne erscheinen sehr defizitär. Die Datenlage zum Zustand der von einem derartigen Programm maßgeblich betroffenen Oderflusslandschaft war in den verschiedenen Anrainerstaaten unterschiedlich und lückenhaft.

Damit bei der Diskussion um die zukünftige Entwicklung des Odertales eine nachvollziehbare, öffentlich zugängliche Datengrundlage für naturschutzfachliche Belange verfügbar ist, wurde der vorliegende Oder-Auen-Atlas mit folgenden Zielen erarbeitet:

  • Erfassung, Darstellung und Bewertung des gegenwärtigen Zustandes des Fließgewässer-Auen-Ökosystems entlang des gesamten Odertals mit Hilfe von einheitlich ausgewählten Biotoptypen und Bioindikatoren.
  • Durch Verknüpfung der ökologischen und wasserwirtschaftlichen Daten mit den Informationen über die Landnutzung sollten zusätzlich die Rahmenbedingungen des Hochwasserschutzes hinsichtlich potenziel rückgewinnbarer Retentionsflächen aufgezeichnet werden.

Der Atlas betrachtet nur die Flussaue im Odertal einschließlich der durch Rückstau aus der Oder beeinflussten Auen im Einmündungsbereich von Nebenflüssen. Die räumliche Ausdehnung der Oderauen entspricht dem natürlichen Überflutungsraum oder auch dem natürlichen Hochwassereinflussbereich der Oder. Da der größte Teil der Oderauen durch Hochwasserdeiche vor Überflutung geschützt ist, musste diese Abgrenzung auf Basis verschiedener Vorgaben erarbeitet werden, die keine exakte Festlegung ermöglichte.

In der Längsausdehnung beginnt der Untersuchungsraum in der Tschechischen Republik bei der Stadt Odry (Ostravský kraj, tschech. Oder-km 81) und endet am südlichen Rand der polnischen Stadt Szczecin. Die erfasste Flusslänge beträgt 785 km (von insgesamt ca. 855 km bis zur Mündung ins Stettiner Haff), die entsprechende Tallänge beträgt ca. 650 km. Die gesamte untersuchte Fläche beträgt ca. 3 600 km2.

Da die Ergebnisse in reiner Kartenform nicht als unmittelbar verständlich und nachvollziehbar eingeschätzt wurden, ist dem Atlas ein nicht zu kurzer Erläuterungstext beigefügt.

In dem Erläuterungstext wurde neben einem kurzen geschichtlichen Abriss über die für ein Fluss-Auen-Ökosystem wichtigen Entwicklungen, auch eine Beschreibung ökologisch-naturschutzfachlicher Aspekte einer Flussauenlandschaft vorangestellt, damit der Nutzer dieses Atlasses auf ein Grundgerüst zum Verständnis der komplexen Auenökologie zurückgreifen kann.

Aufgrund der relativ neuen Herangehensweise und einer nicht einfachen Ausgangslage schon wegen der Dreisprachigkeit, folgt ein ausführlicher methodischer Teil zur Definition und Auswahl der biotischen Daten wie auch zur kartographischen Bearbeitung der Daten.

SVon den Biotopen wurden 12 maßgebende Typen ausgewählt. Dazu wurden Daten zu 10 Pflanzen-, 8 Fisch- und 14 Vogelindikatoren erfasst. Erhebungsgrundlage war die topographische Karte im Maßstab 1 : 25 000. Alle Ergebnisse wurden mit einem Geographischen Informationssystem (GIS) digital aufgenommen. Die Darstellung der Biotope erfolgte im Maßstab 1 : 50 000, die der Bioindikatoren im Maßstab 1 : 500 000. Die Mindestgröße für die zu erfassenden Biotopflächen wurde aus Gründen der Lesbarkeit auf 10 ha festgelegt. Ergänzend zu diesen biologischen Daten wurden grundlegende wasserwirtschaftliche Daten (Deiche, Flusskilometer, Staustufen, Wehre, etc.) sowie Schutzgebietsdaten, z.T. digital von Behörden übernommen oder im WWF-Auen-Institut digital aufbereitet. Archiv Povodi Odry a.s. Ostrava
Oder - Flut in Ostrava, Juni 1997

Neben den Karten wird im Erläuterungstext auch der Ist-Zustand des natürlichen Überflutungsraumes beschrieben und einer eigenständig definierten Bewertung unterzogen. In Bezug auf Flora und Fauna ist die Beschreibung des Ist-Zustandes ausschließlich auf die ausgewählten Biotoptypen und Bioindikatoren begrenzt. Der Atlas dient nicht dazu, das Arteninventar oder das Vorkommen von Rote-Liste-Arten komplett aufzulisten und kann auch die Ansprüche einer vollständigen Biotopkartierung (nach den Naturschutzgesetzen deutscher Bundesländer) der behandelten Regionen nicht erfüllen.

Bei der Bewertung wird primär nur der Flächenanteil der ausgewählten Biotoptypen und der Flächenanteil der ausgewählten Waldbiotoptypen an der jeweiligen Fläche des Überflutungsraumes berücksichtigt.

Auf einer zweiten Informationsebene sind auf einer gesonderten transparenten Folie zusätzlich wichtige Informationen zum Hochwassergeschehen dargestellt, und zwar jeweils den Karten mit der topographischen Grundlage und den Biotopdaten zugeordnet. Dies betrifft:

  • Hochwasserschutzdeiche,
  • heute regelmäßig überflutete Räume (rezente Aue),
  • Überflutungsfläche beim Hochwasser im Sommer 1997 und
  • bestehende und geplante Hochwasserrückhalteflächen (hier als Polder bezeichnet).

Alle Flächendaten sind entsprechend den Ergebnissen aus dem GIS in Tab. 1 nochmals zusammengefasst. Zum Sommerhochwasser 1997 ist anzumerken, dass es im Untersuchungsraum insgesamt eine Fläche von ca. 2050 Quadratkilometer überflutet hat, mehr als doppelt soviel wie die Fläche der rezenten Aue (ca. 970 km2). Fot. 23: G. Bobrowicz
Oder - Hochwasser bei Buszkowice, Juni 1997

Auf dieser Basis werden weitergehende Analysen und Hinweise zur Verwendung der Ergebnisse (beschränkt auf die Belange des Naturschutzes, des Hochwasserschutzes, der Landnutzung und des Gewässerausbaus) dargestellt. Besonders hervorzuheben ist:

  • Es liegt bisher noch kein angemessenes Schutzgebietssystem für die gesamten Oderauen vor. Besondere Bedeutung wird in diesem Zusammenhang der FFH-Richtlinie zugewiesen.
  • Von den gesamten Waldflächen (500 km2) im Untersuchungsraum sind fast 50%(235 km2) als naturschutzfachlich wertvoll gemäß den verwendeten Biotop typen einzustufen, mehr als Zweidrittel dieser wertvollen Wälder (147 km2)liegen in der heute noch überfluteten Aue. Die Oderauen weisen damit die größte Fläche an wertvollen Auenwäldern auf, zumindest im Vergleich zu Rhein, Elbe oder Weichsel.
  • Auch die Flächen wertvoller Grünlandbiotoptypen ist mit insgesamt 383 km2 außergewöhnlich hoch (mind. 50% des gesamten Grünlands im Untersuchungsraum).
  • Trotz der durchgehenden Regelungsbauwerke in der freifließenden Oderstrecke sind noch verbreitet kleine Pionierstandorte vorhanden, die einigen, stark bedrohten Bioindikatorarten als Lebensraum dienen und zur Vernetzung von Faunen- und Florenelementen beitragen.

Für Raumordnungs- und sonstige Entwicklungspläne können folgende Empfehlungen abgeleitet werden:

  • Aus Sicht des den Gesamtraum betreffenden Hochwasserschutzes und in Anbetracht der Ereignisse beim Hochwasser 1997 erscheint eine Sicherung der Überschwemmungsgebiete dringend notwendig
  • Aus den großen bis sehr großen Biotopflächen ohne ausreichenden Schutzgebietsstatus und aus den zukünftig zu erwartenden Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft ergibt sich die dringende Empfehlung, eine gesamthafte Schutzgebietsstrategie im Odertal aufzustellen.
  • Einige Abschnitte des Odertales bedürfen sogar der Wiederherstellung eines funktionsfähigen Biokorridors.
  • Durch die im "Programm für die Oder 2006" vorgesehenen umfangreichen Ausbaumaßnahmen, einschließlich Staustufen und Flussregelungsmaßnahmen, ist der nun erkennbare, überregional bedeutsame naturschutzfachliche Wert der Oderauen hochgradig gefährdet.
  • Wenn die geplante Vergrößerung des Rückhalteraumes durch zusätzliche Überflutungsflächen mit der Förderung von auentypischen Standortsverhältnissen verknüpft wird, könnten Wasserwirtschaft und Naturschutz gegenseitig erheblich profitieren.

Der vorliegende Atlas kann als Baustein für einen zukünftig zu erarbeitenden Bewirtschaftungsplan des gesamten Flusseinzugsgebietes verwendet werden.

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